Das habe ich nicht erwartet! Ich wollte heute ja nur etwas mit der Straßenbahn durch die Gegend fahren und mir die im Stadtplan versprochene moderne Architektur ansehen.
Erst einmal beginnt der Tag als wäre ich bereit für betreutes Wohnen. Ich gehe um die Ecke zum Naturalia-Laden und kaufe für das Frühstück ein. Als ich vor der Tür stehe, fällt mir ein, dass der Türcode in drei Varianten existiert: auf dem Stadtplan notiert, falls der Akku des Handys alle ist, im Handy und in meinem Kopf. Der Stadtplan liegt oben auf dem Tisch, das Handy daneben (wer braucht das schon zum Einkaufen?!) und der Code in meinem Kopf ist falsch. Bravo! Ich frage den jungen Mann aus dem Sushilokal gleich um die Ecke, ob er den Eigentümer kennt. Und obwohl ich quasi über dem Lokal wohne, sind es zwei Gebäude und er kennt niemanden. Ich frage zwei Frauen, die gerade ihre Geschäfte direkt nebenan öffnen wollen, aber beide kennen den Besitzer nicht. Der Chef des Weinladens ist es jedenfalls nicht. Würde auch nicht helfen, denn der öffnet erst morgen um 9.30 Uhr. Ich stehe da mit Baguette und Käse wie ein Idiot. Die Dame mit dem Spezialitätenladen hat zwei tolle Ideen: Passt der Schlüssel auch an der Tür? Macht er nicht. Habe ich denn irgendeine Verbindung zum Eigentümer? Sie lässt mich an ihren Laptop und ich kann mich bei Booking.com anmelden. Dort gibt es eine Telefonnummer und kurze Zeit später schickt ihr der Eigentümer den Code. Das ganze hat knapp 20min gedauert und mir ist immer noch schlecht, wenn ich daran denke.
So jetzt aber:
Die erste Tour führt in den Nordwesten. Hier hat Zaha Hadid ein Mehrzweckgebäude
mit Mediathek und Ausstellungshalle entworfen, das allen Besuchern offen steht – heute nicht.
Überhaupt sind hier auch die Schulen von beachtlicher Größe. Insgesamt gibt es viele Universitäten und Hochschulen in Montpellier,
hier im Vordergrund die medizinische Fakultät und dahinter das Institut für Humangenetik.
Am Rande der Altstadt hat der katalanische Architekt Ricardo Bofill ein ganzes Stadtviertel im neoklassizistischen Stil erbaut.
Das Viertel heißt Antigone und Bauwerke, Straßen und Plätze nehmen darauf Bezug.
Restaurants und Geschäfte im Erdgeschoss und alles als Fußgängerzone ergeben ein angenehmes Flair.
Das Viertel schließt mit dem Europa -Platz und der Regionalverwaltung ab. Hier kann man am Ufer des Lez spazieren.
Und hier steht auch das spektakulärste Bauwerk des Tages (meiner Meinung nach):
„Der weiße Baum“ ist ein Wohnturm von Sou Fujimoto Architekten, Tokio/ Nicolas Laisné, Paris und OXO Architekten, Paris. Es gibt Balkone, die mit Treppen verbunden sind! 
Ich fahre mit der Tram bis ans Meer, oder eben nicht, denn das letzte Stück muss man entlang der Straße laufen oder man nutzt eines der vielen Mietfahrräder. Also fahre ich bis zum Viertel um Port Marianne zurück und spaziere durch die interessanten Wohnviertel. Vor dreißig Jahren entstand die Idee, die Stadtverwaltung hier draußen anzusiedeln und ein neues Viertel drumherum zu errichten. 

Und so langsam füllen sich die Lücken. Und da ist Abwechslung im Spiel! Viele spannende Häuser entstanden und entstehen und dazwischen viel Wasser und Grün. 


Das Rathaus entstand nach Ideen von Jean Nouvel und François Fontès.
Die Front ist mit unterschiedlich breiten Gittern verkleidet und diese Gliederung findet sich dann in Stahl auch auf der Gartenseite wieder. 


Die Halle im Eingang hat eine schöne Deckengestaltung, wenn auch etwas niedrig. 
Wieder in der Bahn fahre ich bis zum Odysseum, das sich als riesiges Einkaufszentrum unter freiem Himmel entpuppt. Aber auf dem Weg dahin bin ich noch an zwei Bauwerken vorbei gefahren, die ein Aussteigen auf dem Rückweg lohnen:
Massimiliano Fuksas hat das Lycée Georges Frêche entworfen. 
Nicht weit davon entfernt steht ein Wohnhaus, das wie ein weißer Pilz aussieht, wenn das andere ein weißer Baum war. 
Auf dem Weg vom Bahnhof zu meiner Wohnung nehme ich heute den direkten Weg und komme an einer Baustelle vorbei, wo die Stadt ein Zentrum für moderne Kunst bis zum Sommer verwirklichen will. Am Bassin am Port Marianne war ein Pavillon, der ein Modell des gesamten Viertels ausstellte. Da wurde sichtbar, was noch alles in Planung ist. Leider war der Pavillon zu und die Lichtverhältnisse waren nicht gut.
So, hier gab es Abendessen. Morgen wieder Altstadt und Ausstellungen und dann wechsle ich übermorgen die Wohnung (und den Ort).
Du hast dich doch clever aus der Affäre gezogen. Ich schicke
telle mir vor, was ich mit gegen Null Kenntnissen in Französisch gemacht hätte!? Tolle Architektur. Wie holt man diese Architekten in die Stadt? LG Pa
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Das habe ich mich auch gefragt. Sicher sind die Wohnungen auch nicht billig, aber ansprechender als Vieles bei uns in Berlin sehen die Häuser aus.
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